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Haben Agenturen Angst vor Barcamps?

Eine Besuchsanleitung

Wenn Unternehmen sich dem Publikum zeigen wollen, vertrauen sie regelmäßig der Hilfe durch Agenturen. Die Hoffnung auf die größere Kreativität im Agenturumfeld ist dabei ein wichtiger Beweggrund. Nicht zuletzt deshalb sind Agenturen gut darin, für eben diese Kreativität Raum zu schaffen. Sei es ganz real aus Beton, Stahl und Holz. Sei es durch interdisziplinäre Teams und innovative Arbeitsformen.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es mich immer aufs Neue, wie schwer es fällt, Agenturen für Barcamps zu begeistern. Wo sonst, kann man so komprimiert so viel über Themen der Zeit, neue Methoden und konkrete Lebenserfahrung aufsaugen? Wo sonst kann man sich derart ungezwungen selbst als Vortragende auch zu neuen Ideen in neuen Formaten ausprobieren? Wo sonst lernt man so vielfältig interessierte und kompetente Menschen kennen?

Die geringe Wertschätzung für Barcamps seitens der Agenturführung und der Personalentwicklung kann ich mir jedoch nur mit mangelnder Erfahrung und unberechtigten Ängsten erklären. Mit dem erstmals im Januar anstehenden Agentur-Barcamp ergibt sich nun die Chance, diese Erfahrung aufzuholen. Ich würde mir sehr wünschen, dort ein paar Dickschiffe der Szene zu treffen. Traut Euch. Zumindest für dieses eine erste Mal.

Agentur-Menschen – besonders Führungskräfte – sollten beim ersten Besuch eines Barcamps ein paar Ratschläge beachten:

1. Nehmt Euch Zeit

Ja, ich weiß. Zeit ist im Agenturgeschäft ein knappes Gut. Und ständige Erreichbarkeit ist eine Branchentugend. Dennoch: Ein Barcamp dauert zwei Tage. Und die braucht es auch. Niemand erwartet, dass ihr Eurer Smartphone ausschaltet. Im Gegenteil. Auch das Agentur-Barcamp soll schließlich bei Twitter trenden. Aber sorgt dafür, dass ihr pünktlich zur Vorstellungsrunde da seid und beim Feedback nicht fehlt. Haltet die zwei Tage frei von Conference Calls und legt fest, wer Euch vertreten kann und soll.

2. Lasst Eure Rolle in der Agentur

Auf einem Barcamp sind alle gleich. Jede ist Teilnehmerin, Sprecherin, Moderatorin. Jede stellt sich am Anfang vor und beim Buffet an. Völlig egal, ob ihr im Alltag Junior Beraterin oder Vorstand seid. Eure Rolle spielt keine Rolle. Nur Eure Kompetenz und Eure Erfahrung. Mit der müsst ihr nicht prahlen. Aber ihr dürft alle anderen daran teilhaben lassen.

3. Kommt ohne Erwartungen

Erfahrene Barcamperinnen sind sich einig. Neulinge gehen fast nie enttäuscht nach Hause, nehmen jedoch oft etwas ganz anderes mit, als sie erwartet haben. Wer jedoch unbedingt etwas erreichen will, läuft Gefahr alles daran zu messen. Dann funktionieren Barcamps nicht. Sie zeichnen sich nämlich im Gegenteil dadurch aus, dass ihre inhaltliche Entwicklung reichlich unvorhersehbar ist.

4. Bringt etwas neues mit

Jede von Euch kann irgendetwas besonders gut. Andere daran teilhaben zu lassen, ist wunderbar und macht Barcamsp aus. Die spannendsten Sessions entstehen bei Barcamps aber oft, wenn die Basis etwas Unfertiges ist. Ein Konzept, das noch nicht wirklich rund ist. Eine Idee, die vielleicht erst am Vortag geboren wurde. Es muss ja nicht gleich der geplante USP für 2017 sein.

5. Effizienz?! Nur Geduld.

Ein Konferenz-Programm mit allen Teilnehmerinnen gleichzeitig zu planen, das scheint eine ziemlich wahnwitzige Idee zu sein. Und tatsächlich kommt ein Barcamp gefühlt etwas schwerfällig in Fahrt. Das wirkt erstmal nicht sehr effektiv. Andererseits erfordern auch typische Konferenzen eine Auseinandersetzung mit dem Programm, wenn man sie erfolgreich nutzen will. Bei Barcamps bekommt ihr das quasi on the go. Inklusive erstem Eindruck von der Speakerin. Also nur Geduld: Effizienz stellt sich ein.

Djure Meinen
** Blogger
** Relations
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djure-meinen.de

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