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Warum Düsseldorf das AgenturCamp braucht

Vor ziemlich genau 28 Jahren habe ich meine Ausbildung zum Werbekaufmann in Düsseldorf begonnen. Und die Branche seitdem nicht mehr verlassen. Warum auch? Die Werbe- oder Kommunikationsbranche gehört nach wie vor zu den faszinierendsten und vielfältigsten Branchen, in denen man arbeiten kann. Vom Haarshampoo über die Versicherung zum Modeunternehmen. Von der Markenstrategie über die klassische Kampagne zur digitalen Kommunikation. Innerhalb von acht Stunden. Oder auch mal 12.

Die Branche ändert sich – die Agenturen auch

Die Branche hat sich aber verändert. Wie so viele andere Branchen auch. Digitale Transformation (zumindest für klassische Agenturen), Kostendruck, noch härterer Konkurrenzkampf um Kunden und Personal, weniger Verbindlichkeit und der Wandel zum Projektgeschäft.

Muss man deswegen jammern? Nein, im Gegenteil. Agenturen, die sich zum Beispiel frühzeitig dem Thema Digitale Transformation gestellt haben, konnten sich völlig neue Geschäftsfelder erschließen. Agenturen, die sich mit agiler Arbeitsweise, flachen Hierarchien und flexiblen Organisationsformen auseinandergesetzt haben, begegnen Kostendruck und dem Trend zum unverbindlichen Projektgeschäft leichter.

Aber bei allem Optimismus, der dieser Branche ja typischerweise innewohnt, bleibt festzuhalten, dass die Führung einer Agentur eine extrem anspruchsvolle Aufgabe (geworden) ist. Ich sehe das zumindest so, und ich weiß von einer ganzen Reihe langjähriger Weggefährten, dass sie das genauso sehen.

Angestelltenmentalität in Düsseldorf? Aua!

Kommen wir zu unserer geliebten Stadt Düsseldorf. Einst eine strahlende Werbemetropole mit Top-Adressen wie der GGK, aus der sämtliche Kreativagenturen der 90er Jahre hervorgegangen sind. Heute hinter Hamburg und Berlin ins zweite oder dritte Glied gerückt, wirtschaftlich aufgewertet alleine durch die konsolidierten Umsätze der großen Werbeholdings. Anfang des Jahres dann noch ein etwas gehässiger Artikel in der new business*, in der den Düsseldorfer Agenturen und ihren Führungskräften eine „Angestelltenmentalität“ unterstellt wird, mit der man keine Bäume mehr ausreißen könne. Aua. Was nun? Was tun?

Im Frühjahr 2016 war ich von der Wirtschaftsförderung der Stadt Düsseldorf eingeladen, in zwei Workshops herauszufinden, wie man die Kultur- und Kreativwirtschaft Düsseldorfs insgesamt stärken kann. In Folgegesprächen im kleineren Kreis, als es konkreter um die Agenturen in Düsseldorf ging, habe ich dann den Vorschlag geäußert, ob man für Agenturen nicht ein Barcamp durchführen könne. Ich hatte von einem Agentur-Barcamp Anfang des Jahres in Frankfurt gehört, die teils euphorischen Reaktionen der Teilnehmer gesehen und kannte den Veranstalter Hans-Gerhard Kühn. Also habe ich den Kontakt zur Wirtschaftsförderung hergestellt, und jetzt kommt es dann Ende September. Das erste sogenannte AgenturCamp in Düsseldorf.

Beim Agenturcamp kommen wir zusammen voran

Und was verspreche ich mir davon? Natürlich einen unkomplizierten Austausch unter den Agenturen. Einen Blick über den Tellerrand. Impulse. Ich will lernen. Nach vorne gucken. Wissen, Erfahrungen und Erlebnisse mit anderen teilen. Kein „Wir sind die Tollsten“ Agenturen-Gestrunze, sondern „Lass uns gemeinsam was wuppen“. Und am Ende natürlich auch, dass Düsseldorf als Agenturstandort mal neue Impulse bekommt. Denn auch wenn ich schon 28 Jahre in dieser Branche arbeite, ich schaue lieber nach vorne als nach hinten. Und das am liebsten in Düsseldorf. In Berlin ist ja auch nicht alles Gold.

Über den Autor: Rainer Kunst ist Gründer und Geschäftsführer von Kunst und Kollegen in Düsseldorf, Palma de Mallorca und New York. Er hat sich in Berlin zweimal die Finger verbrannt, muss (im Gegensatz zu den Agenturinhabern der 90er Jahre) noch von der Finca auf Mallorca träumen und verbringt seine Zeit ansonsten mit kurzfristiger Budgetplanung, Netzwerken und Agentur-Umbauprojekten in Unterbilk.


* In einem Artikel zum Standort Düsseldorf sagte der Hamburger Unternehmensberater Andreas Gruhl, aufgrund der hohen Networkdichte in Düsseldorf herrsche hier eher eine Angestelltenmentalität als Gründergeist wie in Berlin, Hamburg und München. (new business 14/2016 S. 6ff., leider nicht online verfügbar)

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