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New Work or same old Shit?

New Work wirkt auf allen Ebenen. In den Köpfen, den Unternehmen, in Agenturen, in Teams, in Projekten. Die Veränderungen sind weiter fortgeschritten und tiefgreifender, als viele denken und wahrnehmen. Niemand kann sich auf Dauer entziehen. Aber wo zeigt sie sich konkret diese Neue Arbeit? Was wird unter „New Work“ verstanden? Ist das nur ein „Buzz Word“, ein Feigenblatt über derselben alten Sch….? Ich will euch meine Impressionen zu New Work in Agenturen schildern.

New Work und Postkutsche

Wer kennt nicht die Bilder von wild jagenden Postkutschen. Der Kutscher peitscht auf die Pferde ein. Die Kutsche schwankt, ächzt, stöhnt. Passagiere und Fracht werden durchgeschüttelt.  Die Pferde galoppieren in Panik bis sie erschöpft zusammenbrechen… So erlebe ich immer noch viele Agenturen. Die Führung schwingt die Peitsche. Die Mitarbeiter quälen sich mit heraushängender Zunge. Jobs bleiben auf der Strecke. Und ringsum toben die Attacken der Kunden und der Wettbewerber.

Andere Agenturführer sind dagegen längst von ihrer Postkutsche gestiegen, haben die Peitsche weggelegt und die Pferde ausgespannt. Aber aus Verunsicherung, wie es weitergeht, tragen die Pferde zur Vorsicht noch Geschirr und Zügel, um bei Bedarf daran zu ziehen. Wer vom Bock steigt und die Peitsche weglegt wird mit der Frage nach seiner zukünftigen Rolle und der Führung konfrontiert. Viele kleine Selbstfahrer-Kutschen? Rennpferde züchten, Spanische Hofreitschule oder doch Moderner Fünfkampf?

New Work ist bestes Kopfkino

Ich mag Begriffe, die nicht so eindeutig sind und damit das Gegenteil einer DIN-Norm. Begriffe, die das Kopfkino starten. Die Vielfalt fördern, Spielraum lassen, Phantasien beflügeln, Menschen anregen. New Work ist so ein Begriff, der viele unterschiedliche Filme und Geschichten in den Köpfen startet.

Für den Sozialphilosoph Frithjof Bergmann ging es Ende der 70er Jahre auf dem Weg von der Industrie- zur Wissensgesellschaft u.a. um selbstbestimmtes Handeln, um Flexibilität und Netzwerke statt starre Arbeitsmodelle. Zentrale Werte seines New Work Konzeptes waren für ihn Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft.

New Work ist harte Realität

New Work ist harte Realität, befeuert durch Globalisierung, Digitalisierung, Disruption, Industrie 4.0, 24-h-Wettbewerb und Dauerstress. Die Folge sind viele unterschiedliche New Work Baustellen. Die meisten entstehen wie Schlaglöcher einer Straße, die irgendwann nicht mehr zu ignorieren sind. Neben diesen Notreparaturen erfolgen kleinere Schönheitsreparaturen. Manche sind geplant und werden mit Leidenschaft betrieben. Viele bauen ihre Agentur aber auch tiefgreifend um.

Baustellen New Work

Wer nach den Baustellen mit den größten Schlaglöchern fragt, bekommt verschiedenste Antworten. Ist klar bei der Unterschiedlichkeit der Agenturen und der Vielfalt der Agenturführer.  Deshalb aus meinem Erleben Hypothesen zu den zentralen Handlungsfeldern.

  1. Mit mehr vom Gleichen lassen sich die neuen komplexen Aufgabenstellungen und dramatischen Umbrüche nicht bewältigen. Wer etwas anders will muss etwas anders machen. Freiwillig oder er wird durch die Umstände dazu gezwungen. Fertige Konzepte, Agenturklons, Management by.., und was sich bisher bewährt hat hilft nicht weiter. Notwendig sind Musterwechsel hin zu innovativeren und agileren Formen der Agenturführung, der Organisation und der internen und externen Zusammenarbeit.
  2. Das Führungsverständnis ist die entscheidende Weichenstellung für New Work. Denn es sind die Menschen und ihre Ideen die für Stillstand oder Entwicklung sorgen. Das Ziel könnte lauten „Vorsprung durch Führung“.  Wie will ich als Inhaber bzw. Geschäftsführer die Agentur führen? Wie sehe ich meine Rolle? Was sind Sinn und Werte der Agentur, die für Mitarbeiter und Kunden attraktiv sind?
  3. Die Verantwortung wird auf noch mehr Mitarbeiter verteilt sein. Dazu gehört gehört neben der Verantwortung für Kunden auch die für die Agenturentwicklung. Die Mitarbeiter werden schlicht gebraucht, um der Vielfalt  und der Dynamik des Marktes zu begegnen. Mitarbeiter wissen und können mehr als ihnen in der Regel zugetraut wird.
  4. Die Agentur muss zu einem Magnet für Talente werden. Wie lässt sie sich gestalten, damit Menschen gerne hier arbeiten? Wie gewinne ich fähige Mitarbeiter? Welche Qualitäten von Mitarbeitern werden gebraucht für die sich ständig ändernden Märkte?
  5. Strukturen und Abläufe sind wesentlich flexibler zu gestalten. Fest gefügte Strukturen und ein zementierter Prozess machen eine Agentur veränderungsresistent. Flexible, eher instabile Organisationen sind anpassungsfähig und innovativ. Instabilität und Unklarheiten führen zwangsweise zu einer permanenten Rückkoppelung und kommunikativen Auseinandersetzung mit der Situation. Neues kann entstehen. Instabilität dürfte aber für viele ein Grauen sein.
  6. Die Gestaltung der Kundenbeziehungen und -prozesse und damit der Wertschöpfung  wird zum eigentlichen Maßstab für den Erfolg. Der Managementaufwand für Ausschreibung, Pitch, Verträge, KVs, Timings, Projektorganisation ist von Sinnhaftigkeit und Effizienz weit entfernt. Von agil und lean noch weiter. Als Agentur können sie natürlich der Aufforderung vieler Unternehmen folgen, ständig neue Ausführungen von Dixi-Klos anzubieten. Sie können aber für sich bzw. gemeinsam mit dem Kunden das Spielfeld neu definieren. Welches Spiel auf welchem Feld mit welchen Spielern und Regeln? Welche Rolle übernimmt die Agentur? Wie bringt das Unternehmen sich ein?

Bei allen diesen Entwicklungen gilt: Nicht länger und mehr Arbeiten ist das Gebot der Stunde, sondern anders. Gezielter, agiler, konzentrierter, vernetzter, iterativer. Und viel mehr getragen vom Engagement und  Wissen aller Mitarbeiter. Dies gilt für das Tagesgeschäft und für die anstehenden Veränderungen.

Bei den New Work Camps am 3. Mai in Frankfurt und am 9. Juni in Hannover wollen wir gemeinsam eintauchen in New Work und alle Chancen und Pflichten, die damit verbunden sind. Seid ihr dabei? Hier geht’s zu den Tickets. Herzlich willkommen!

 

 

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