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Innovation in Agenturen. Wie geht’s?

Im ersten Teil unseres Gesprächs mit Dirk Krause war das Thema Digitalisierung in Agenturen. Woran hängt’s?“. Im zweiten Teil geht es um Innovationsprozesse in Agenturen, denn wenn sich jemand damit auskennt, dann ist es Dirk. Er war sechs Jahre lang Leiter des Innovation Lab bei Publicis Pixelpark. Seit fünf Monaten ist er mit seinem eigenen Unternehmen unterwegs als „Captain of Curious Electric“, dem Studio zur Kreation von Produkten und Diensten mit Sinn, Herz und Verstand.

DAC: Dirk, du warst lange Jahre verantwortlich für das Thema Innovationsmanagement. Wie kam es überhaupt zur Gründung des Innovation Lab bei Publicis Pixelpark?

Dirk Krause: Der Auslöser war der Anruf eines Mitarbeiters eines großen Konzerns, der wissen wollte, ob wir Innovationsprojekte bedienen können. Der Anruf wäre beinahe ins Leere gegangen, weil das nicht einem Ansprechpartner zugeordnet werden konnte. Ich war damals Technischer Leiter, bekam durch Zufall davon mit und habe mich erkundigt, um was es geht. Daraus wurde dann ein megaschönes Innovationsprojekt, aus dem wir später ein weiteres, größeres Projekt ableiten konnten. Das hat dazu beigetragen, dass wir überhaupt ein Lab gegründet haben.

Plötzlich war klar, das ist ein sehr interessanter Bereich. Wenn wir den nicht besetzen, geht uns Geschäft verloren. Dabei war auch schon typisch, dass wir mit diesem allerersten, reinen Innovationsprojekt kein Geld verdient haben. Das zweite Projekt war dann rentabel..

Ein Lab-Projekt ist per Definition nie ein Geschäft und erzeugt erstmal keinen monetären Vorteil. Und wenn man jetzt naiv darauf schaut, kann man sagen, man braucht kein Lab, weil ja nie Geschäfte im Lab gemacht werden. Etwas kurzsichtig, aber verständlich, wenn man sich vor denen rechtfertigt, die durch die Bücher gehen und sagen: „Okay, wer macht denn hier Gewinne und wer nicht?“

Über die Gründung des Labs und über die Prozesse, die die Gründung sowohl begünstigt als auch beinahe verhindert hätten, habe ich gelernt, dass man das klassische Geschäftsdenken verlassen muss, um auf eine andere Stufe zu kommen. Dieses Umdenken hat letztendlich auch dazu geführt, dass ich mich gefragt habe, wenn du diesen Lab-Gedanken jetzt wirklich leben und bei Kunden anbringen willst – geht es besser in einem Konzern oder in einer kleineren Einheit?

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DAC: Du hast für dich entschieden, dass dieser Anspruch im eigenen Unternehmen leichter realisierbar ist als in einem Network?

Dirk Krause: Ja, vor allem die Schnelligkeit, die ich gewonnen habe, ist einfach unglaublich und aus meiner Sicht auch der Schlüssel. Die digitale Transformation, die uns treibt, wartet eben nicht. Die Themen müssen jetzt bearbeitet werden.

Deswegen auch die Nachricht an mittelständische Agenturen, die noch klein und wendig genug sind, um das zu bewerkstelligen: Seid euch darüber im Klaren, was passiert, wenn ihr über ein gewisses Maß hinauswachst. Und bedenkt einfach nur, was ihr tun könnt, wenn ihr euch in kleineren Einheiten aufstellt. Ich spreche mit sehr vielen Agenturen und viele von denen, die sich gerade aktiv mit Innovationsthemen beschäftige, haben das längst verstanden. Die stellen sich in Scrum-Team-Größen auf, die haben eine ganz andere Planung. Die sind viel schnelldrehender. Die sind viel weniger verkopft.

DAC: Was braucht es aus deiner Sicht, um ein eigenes Lab zu betreiben? Know-how, Wille, Ziele?   

Dirk Krause: Erstmal eine Vision. Viele große Network-Agenturen haben im Allgemeinen keine bessere Vision als „Wir machen Dinge für Geld.“ Und das ist sehr ähnlich zur ältesten Profession der Welt. Mir reicht auch nicht, wenn jemand sagt: „Wir wollen große Kunden mit Projekten bedienen.“. Es ist immer noch keine Vision.

Da gibt es zum Beispiel ustwo aus London, die sich nicht Agentur, sondern Studio nennen. Die hatten den Leitspruch “We launch products and services that have a meaningful impact for the world.” Das ist eine Vision. Du hast ein Ziel, das schreibst du dir auf die Fahne. An dem hängt dein Herz. Und deine Kunden, deine Projekte, deine Mitarbeiter und eure Art zu arbeiten, sollten diese Vision bedienen. Wenn du diese Vision hast, dann musst du fragen, wie schaffe ich es denn, Dienste und Produkte zusammen mit meinen Kunden zu entwickeln? Vielleicht kommt dabei heraus, dass du gar kein Lab brauchst. Aber wenn du auch nur ansatzweise Innovationen im Titel hast oder etwas Neues machen willst, dann wüsste ich nicht, wie du das ohne Lab oder einen Think Tank hinbekommst.

Wenn ich nochmal ein Lab in einer Agentur aufbauen würde, dann würde ich dafür sorgen, dass genug Leute dort beschäftigt sind, und dass die ein Budget haben, über das sie frei verfügen können. Zusätzlich sollten Kollegen aus den anderen Units im Lab durchrollieren können. Und sehr wichtig ist ein internes Marketing, fast wichtiger als das externe. So ein Lab hat eben auch eine ganz andere Funktion. Menschen haben sich bei uns beworben, weil sie wussten, dass wir ein Lab haben. Das hat eine ganz phänomenale Ausstrahlung, wenn man es richtig macht und wenn man es eben auch richtig intern und extern verkauft. Und dieses interne und externe Verkaufen ist offen gestanden die schwierigste Angelegenheit.

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DAC: Lass uns zum Schluss noch mal auf dein Unternehmen kommen. Im Namen kommt der Begriff „Neugier“ vor. Wohin – glaubst du – wird dich deine Neugier in den nächsten Jahren führen?

Dirk Krause: Ich hoffe, dass ich die Gelegenheit bekomme, an Stellen den Hebel anzusetzen, an denen man wirklich etwas bewegen kann. Das sind z.B. vorstandsnahe Innovations-Projekte in großen Unternehmen mit Visionsfähigkeit und auch ein bisschen Risikobereitschaft.

Ich war lange Manager, bin aber Techie und meine Fachdomäne ist die Programmierung. Deshalb kann ich bei Innovations-Technologien an vorderster Front mit dabei sein und gleichzeitig aber auf Augenhöhe mit dem höheren Management sprechen, argumentieren und handeln. Ich bin sehr schnell darin, Machbarkeiten zu überprüfen und Aufwände zu validieren, weil ich das meiste, was ich dazu brauche, selbst beherrsche. Der Punkt ist, dass ich grundsätzlich weiß, wovon ich rede, auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

DAC: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Ansichten zu Digitalisierung und Innovation in Agenturen mit uns zu teilen. Viel Spaß und viel Erfolg auf deiner weiteren Reise als „Captain of Curious Electric“.

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